Tippelbröder

VB Thalia, gesehen am 23.1.09 im Theater an der Marschnerstraße.

Draußen hatte es geschneit, man freute sich also auf einen schönen Abend im warmen Theater. Plattdeutsch sollte es geben, wunderbar. Man setzte sich, fühlte sich wohl, plauschte noch etwas, dann ging das Licht aus und der Vorhang auf.

Und dann - um Himmelswillen! Liebe Leute: Was. War. Denn. Das??? Ein mittelblaues Etwas und ein schreiend magentafarbenes Ding darunter (hätte Stoff sein können) mit grünen Flecken (sollten es Bäume sein?) beherrschten zusammen den Hintergrund der Bühne. Links davon und rechts jeweils zwei Wände in beige, die auch keinen Sinn ergaben. In der Mitte in Baum, okay, der war in Ordnung.

Dann der Auftritt der Figuren. Hier stimmte die Auswahl der Kostüme leider nicht wirklich mit der Aussage des Programmheftes überein: "Das Stück spielt Anfang der 1920-er Jahre". Schade.

Und nun folgend muss ich leider gestehen, dass ich vom textlichen Inhalt des 1. Aktes nicht viel mitbekommen habe, denn zusätzlich zum extremen Farbenspiel wurde ich auch ständig davon abgelenkt, dass ich überlegte, wie tief mich die Damen noch würden in den Himmel gucken lassen. Und ich saß weder in der ersten Reihe noch bin ich ein Mann!

2. Akt. Vorhang und Applaus!

Wohl verdient, will ich meinen, denn im Gegensatz zum 1. Akt gab es hier tatsächlich den Beweis, dass Thalia doch ein Bühnenbild zustande bringen kann. Auch dieses hätte noch besser gemacht sein können, aber gut.

Nur der Sessel links erklärte sich mir nicht, da hätte ein beliebiger Stuhl oder Hocker besser gepasst. Und dass die Fenster mal nach innen, mal nach außen gingen - nun gut. Die Fototapete im Hintergrund kam schön zur Geltung, war nur etwas ungünstig ausgeleuchtet.

Bei den Kostümen war zumindest das der Lise hier gut gewählt, der Anzug von Olle schien wiederum viel zu ordentlich. Und dreckiger hätte alles sein dürfen, Menschen, Kleider, Gegenstände.

Im 3. Akt blieb alles beim Alten. Nur der Anzug von Hermann, der ging gar nicht, der war alles, nur nicht 1920.

Das Spiel der Darsteller berührte schon irgendwie in jeder einzelnen Szene, doch auf das ganze Stück bezogen, blieb alles etwas "blutleer". Da hätte die Regie für mehr Spannung und Atmosphäre sorgen müssen, sodass der Zuschauer sich für das Schicksal der Figuren interessiert.

Und die Qualität des Plattdeutschen war natürlich sehr unterschiedlich; ich vermute, dass es Muttersprachlern an einigen Stellen nicht wirklich gefallen haben konnte.

Schade, dass die Darsteller/Mitwirkenden nach der Vorstellung nicht nach vorne kamen (ich jedenfalls hab keinen gesehen), denn das Geheimnis hinter dem mysteriösen ersten Bühnenbild hätte mich schon interessiert.

Daniela Faber 


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