Die Frau von früher

DSV, gesehen am 6.2.09 (Premiere) im Theater an der Marschnerstraße.

Es existieren Stücke, da gibt es nur zwei Meinungen: Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Bei Inszenierungen ist es oft nicht anders. In diesem Fall liebte ich das Stück nach fünf Minuten. Bei der Inszenierung bin ich mir bis heute, vier Wochen später, nicht sicher, was ich von ihr halten soll.

Das Stück: Frank und Claudia sitzen auf gepackten Koffern, die Möbel sind größtenteils schon in der neuen Wohnung. Kartons bevölkern noch die alte Bleibe. Da klingelt es an der Tür und die Frau von früher steht da, im blutroten Kostüm, und glaubt da weitermachen zu können, wo sie vor 20 Jahren mit Frank aufgehört hat. Dass Claudia etwas dagegen hat, versteht sich von selbst. Die Ereignisse nehmen ihren Lauf und enden tragisch. Der Film "Sieben" lässt grüßen.

Die Inszenierung: Ein simples, effektives Bühnenbild einer leeren Wohnung. Alltagskleidung. Links der Bühne ein Rahmen mit Gaze, wie ein Fenster in eine andere Welt. Die sich stets wiederholenden Szenen exakt gespielt, inklusive Ohrfeige(n)! Die Frau in Rot (Claudia Bade) aufreizend, Frank (Jens Struck) und Claudia, ein Ehepaar wie von nebenan (wenn auch Gesa Eggers als Claudia nicht alt genug wirkte), der Sohn (Rouven Kriete) jung, aber nicht naiv, seine Freundin niedlich (Julia Weber,leider mit leichtem Akzent). Musik an den richtigen Stellen. Soweit alles "Prädikat: wertvoll".

Das einzige, was die Inszenierung nun aber zu einem etwas holzartigen Vergnügen werden ließ, war die Sprechweise aller Darsteller. Ich fühlte mich nach einer Weile an Filme von David Mamet erinnert, einem von allen Seiten hochgelobten Autor und Regisseur aus den USA, dessen Figuren immer diese außergewöhnliche, fast absurde Sprechweise pflegen. Es soll angeblich "natürlich" und "realistisch" klingen und doch wird genau das Gegenteil erreicht. Ich frage mich bei jedem Film aufs Neue, warum es sein muß, dass mir dieser Regisseur jeden seiner Filme verleidet, indem er seine genialen Schauspieler so durch die Sätze hacken lässt.

Und das gleiche Gefühl beschlich mich auch hier. Warum also? Hätten die Charaktere normal gesprochen, wäre die Inszenierung wahnsinnig beeindrukkend gewesen, aber so… blieb uns nur, anschließend im Foyer in größerer Gruppe zu analysieren, was uns da eben passiert war. Ohne wirkliches Ergebnis.

Lars Ceglecki ist ebenfalls ein hochgelobter Regisseur, den ich aber noch nicht entdeckt hatte. Ich werde mir auf alle Fälle seine nächsten Stücke ansehen, um vielleicht herauszufinden, wie dieser Mensch tickt. Es bleibt spannend.

Daniela Faber 


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