VB Jenfeld, gesehen am 27.2.09 (Premiere) im Jenfeld-Haus.
Kennen Sie das, wenn Sie vor vermutlich 20 Jahren einen Film gesehen haben und sich immer noch gerne an ihn erinnern, zumal wenn einem dabei ein wohliger Schauer über den Rücken läuft vor grauenhaft-schönem Grusel? Bei Ankündigung des Stückes Gaslicht gingen meine Gedanken zurück zu dem Film gleichen Titels von 1940 mit Anton Walbrook und Diana Wynayrd. Ein tolles, spannendes Werk.
Die Inszenierung der VB Jenfeld konnte nicht ganz mit der gleichen Spannung aufwarten, bot aber mit Kerstin Fürst eine gutgelaunte Hauptdarstellerin, der man die Aufregung, von der sie mir hinterher berichtete, nicht einen Deut anmerkte. Sie spielte das Mauerblümchen Bella Manningham, die dem Wahnsinn nahe sein sollte, mit viel Gefühl und brechender Stimme.
Ihr Mann, Jack Manningham (Thomas Voigt), ließ sich leider von der vermeintlich so labilen Bella an die Wand spielen. Der leichte S-Fehler des Darstellers machte es nicht einfacher, ihm den fiesen Verbrecher abzunehmen, den er verkörpern sollte. Selbst wenn er vom normalen Tonfall ins Schreien wechselte, wirkte er immer noch zu sympathisch. Schade, ist der "Bad Boy" doch oft die begehrteste, weil beste Rolle eines Thrillers.
Spannung kam erst auf, als der Inspektor kam. Jörn Kuhr machte eine gute Figur, bedächtig und präzise platzierte er seine Sätze. Ein bisschen mehr Tempo hätte der Szene, auch dem ganzen Stück, dennoch nicht geschadet. Die Haushälterin war mit Hanne Kaiser treffend besetzt, war aber als kleine Rolle für sie recht undankbar, denn es gab keine Tiefe zum Ausbauen. Das Hausmädchen hätte - historisch gesehen - eigentlich jünger sein dürfen, doch Cornelia Christan bot "gutes Spiel mit böser Miene". Manfred Dau als Polizist … dabei sein ist alles, wird er sich gedacht haben!
Das Bühnenbild war ansprechend entworfen und ausgeführt mit stilistisch passendem Mobiliar. Es wäre der Hammer gewesen, hätte die Standuhr noch funktioniert und ihr Pendel schwingen können! Auch die Kostüme passten hervorragend ins Gesamtbild. So war die Inszenierung von Jutta Pachnicke also eine runde Sache, die nur noch ein wenig mehr Schwung gebraucht hätte - und einen echten Fiesling.
Daniela Faber