Kunst

Die Egozentriker, gesehen am 3.4.09 im Gymnasium Grootmoor.

CHAPEAU!

Da dieses eine Wort alleine zwar reichen würde, um meine Meinung zu diesem Stück wiederzugeben, es aber vielleicht doch ein wenig dürftig als Kritik wäre, will ich noch ein bisschen mehr hinzufügen.

Wo will ich anfangen? Da die schauspielerischen Leistungen so bemerkenswert waren, will ich sie als erstes erwähnen.

Jens Raygrotzki als Serge, Stephan Ulrich als Marc und Martin Schörle als Yvan haben eine wahre Meisterleistung hingelegt. Nicht nur was die Masse an Text angeht, die sie in Monologen und Dialogen darboten, sondern auch was Mimik, Gestik und Ausdruck betrifft. Da wurde alles auf den Punkt gebracht, das Timing stimmte, jedes Wort saß an der richtigen Stelle und kein Schritt war zu viel. Das sieht man selten und umso mehr Spaß macht das Zuschauen. Zu lachen gab es reichlich und zum Nachdenken blieb genügend, was man mit nach Hause nehmen konnte. Da kann ich vor Euch dreien wirklich nur den Hut ziehen und neidlos anerkennen, was Schauspielerkollegen Großes geleistet haben. Jungs, Ihr wart einfach genial. Lasst Euch nichts anderes erzählen!

Das Stück an sich könnte keinen besseren Titel haben, Kunst trifft den Kern prägnant und einprägsam, denn um nichts anderes geht es hier. Serge hat sich für teures Geld ein wahrlich beeindruckendes Gemälde gekauft: Weiße Linien auf weißem Grund. Aber nein, das Bild ist nicht nur weiß, sagt Serge, aber Marc sieht das nicht so und Yvan ist mit den Gedanken sowieso eher bei der entsetzlichen Mutter seiner zukünftigen Frau, und so geraten die drei Männer in Streit über ein Stück Leinwand von 80 x 1,20 m, obwohl sie doch eigentlich gute Freunde sind.

Ein Stück, wie es das Leben schreibt. Yasmina Reza hat hier einen Festschmaus für jeden Schauspieler und Regisseur geschrieben, was umjubelte Inszenierungen vom Broadway über das West End bis hin zu den Hamburger Kammerspielen beweisen.

Christine Rißmann hat sich mit der Regie einen Traum erfüllt, zurecht, wie ich meine, und hat dank der perfekten Besetzung und einem lobenswert zurückhaltenden Bühnenbild eine großartige Arbeit abgeliefert, die sich hinter keiner professionellen Inszenierung verstecken muss.

Daniela Faber 


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