Wentorfer Bühne gesehen am 26.6.09 (Premiere) in der Realschule Wentorf
Um ihr 30-jähriges Jubiläum zu feiern, hatte sich die Wentorfer Bühne keinen alten Schinken ausgesucht, sondern im Gegenteil ein recht junges Stück, Mensch ärgere dich nicht von Florian Battermann, welches erst 2005 Uraufführung feierte. Dieses wird untertitelt mit "Eine fast kriminelle Komödie". Es versprach also lustig und spannend zu werden. Und ich muss sagen, das Versprechen wurde gehalten.
Vier rüstige Rentner, die die Pension Sonnenschein bewohnen, werden von ihrem übellaunigen Pfleger Max so sehr drangsaliert, dass sie beschließen, ihn ein wenig aus dem Weg zu räumen. Ganz sanft, natürlich. Eine Schachtel Pralinen wird präpariert, tags darauf ist Max Geschichte. Nur leider ist ihm sein Nachfolger sehr ähnlich. Die Senioren, nicht faul, zücken noch einmal die Pralinenschachtel. Und jeder im Publikum kann sich vorstellen, was mit weiteren Pflegern, die schlechte Manieren aufweisen, geschehen könnte!
Als der Vorhang aufging, legte er einen gemütlichen Tagesraum frei, mit Blick in den Garten und diversen Türen zu diversen Zimmern. Mobiliar, Requisiten, alles wunderbar... lediglich die Farbe der Wände war, ich möchte sagen, recht "mutig" gewählt. Statt 'mauve' hätte es vielleicht auch etwas Pastellfarbenes getan, ein helles Gelb oder ein zartes Grün. Die Farbe tat nicht weh, aber sie war doch schon recht... wie gesagt, "mutig".
Dann Auftritt der Hauptakteure:
Torsten Preiß als (am liebsten würde ich "alte Diva" sagen, aber einige mich dann doch lieber auf) großer Mime, der seiner Zeit am Theater Memmingen hinterher trauert, überzog seine Rolle mehr als seine Partner, sorgte damit aber für Lacher und lag goldrichtig. Klaus-Peter Sturm gab den General a.D. August von Rottow. Hier habe ich die militärisch geprägte Körperhaltung vermisst und einen etwas zackigen Ton. Mir war dieses Spiel dem von Herrn Preiß ein bisschen zu ähnlich.
Gaby Cohn als Käthe Paul machte alles in allem ein gute Figur, ebenso Monica Fröse als des Generals Enkelin. Dierk Berger als Pfleger Max hätte gerne etwas subtiler sein dürfen. Ein bisschen weniger Geschrei, dafür mehr Hinterhältigkeit hätten seine Rolle noch fieser gestaltet. Am besten jedoch gefiel mir Nevenka Erdmann als Anna Klingenberg. Sie brachte ein paar von ihren Einzellern derart trocken, dass es eine Lust war. So tüdelig die "Oma" wirkte, so faustdick hatte sie es hinter den Ohren. Herrlich.
Was allerdings die Rolle des Heinz Siebrecht sollte, bin ich mir nicht ganz sicher. Er erschien nicht, rief nur zwei-, dreimal etwas durch die Tür - dazugeschrieben vom Verein oder schon im Textbuch überflüssig? Auch für Michael Voß als Schauspieler mehr als undankbar. Darauf hätte die Regie verzichten können, ohne der Handlung zu schaden.
Alles in allem war es eine solide Regiearbeit von Gerda Spieß (in Personalunion mit Dierk Berger). Allein das Tempo hätte vor allem im ersten Akt deutlich angezogener sein dürfen, um einfach noch mehr Schwung in die Sache zu bringen. Und manchmal schien so etwas wie Zusammenspiel unter den Charakteren zu fehlen. Jeder spielte sehr schön, aber für sich. So jedenfalls wirkte es. Schwer zu beschreiben.
Im zweiten Akt lief es dann deutlich runder, prompt kamen eindeutig mehr Lacher als vorher und auch die Souffleusen mussten nicht mehr so hart arbeiten. Aber Tempo ist oft ein Problem. Vielleicht sollte jemand mal einen Kurs zu dem Thema anbieten...
Nach 30 Jahren und Dutzenden von Inszenierungen darf man gespannt sein, was uns die Wentorfer in der Zukunft präsentieren werden. Es werden sicher viele erfolgreiche Höhepunkte dabei sein.
Ich wünsche Euch viel Spaß und "Auf die nächsten 30"!
Daniela Faber