Die Mord-Schule - Angst vor der Autorin?

Die Mord-Schule von Erika Kainberger-Kapeller sollte unser Frühjahrsstück im Mai 2009 werden. Das Textbuch hatte ich mir im November 2008 über den Plausus Theaterverlag zukommen lassen und war sofort gepackt.

Für jede der neun Rollen bietet das Stück einfach tolle Charaktere mit spielerisch variierenden Facetten und szenischen Herausforderungen. Ebenso faszinierte mich das als geteilt vorgesehene Bühnenbild, da es trotz dieser Vorgabe der künstlerischen Phantasie viel Freiraum lässt, was die Bühnenbauer mitsamt Technik und Beleuchtung sogleich zu wildesten Ideen inspirierte.

Als ich mich für das Stück Mord-Schule entschied, ahnte ich natürlich nicht, dass es damit etwas ganz besonderes auf sich haben könnte.

Die Proben hatten noch nicht so recht begonnen, da staunte ich nicht schlecht, als ich plötzlich eine e-Mail von der Autorin erhielt, in der sie ihren Besuch zur (Deutschland-) Premiere ankündigte und sehr gespannt auf unsere Inszenierung sei.

Ups, die Autorin kommt - Angst???

Als Autorin ist sie logischerweise daran interessiert, was mit ihrem Stück passiert und wie es mit Leben erfüllt wird. Wie wird es von einem Regisseur gesehen, gelesen und interpretiert? Welche Gedanken schwirren einem bei der Inszenierung ihres Stückes durch den Kopf? Anders herum frage ich mich gerade, welche begleiteten sie, als sie ihre niedergeschrieben hat. Wo schweben wir möglicherweise auf einer gleichen Wellenlänge?

Es ist doch geradezu unheimlich spannend, diese und noch mehr Fragen gegenseitig auszutauschen. Welche Befürchtungen sollten mich als Regisseur also heimsuchen, wenn sich die Autorin zum Besuch ihres Stückes anmeldet? Ehrlich gesagt, mich überkam daher auch keine Angst, sondern ich war schlichtweg begeistert. Ich dachte einfach nur: Wow, das passiert einem aber wirklich selten, dass sich die Autorin (oder der Autor) zu einem Stück selbst anmeldet.

Hm, und jetzt muss ich tatsächlich gestehen, dass ich mir das Stück hinsichtlich der Autorin noch gar nicht näher angesehen hatte. Wer ist sie eigentlich? Was macht sie sonst so? Woher kommt sie überhaupt???

All diese Fragen konnte ich mir natürlich sofort beantworten, denn sie verfügt (selbstverständlich) über eine eigene Homepage: www.erika-kk.com. Bald würden wir sie also persönlich kennen lernen, die Autorin Erika Kainberger-Kapeller.

Bis zur Premiere lag allerdings noch eine lange, aber keineswegs langweilige Zeit vor uns. Die Proben haben wahnsinnig viel Spaß gemacht und es war manchmal schon urkomisch. Nicht etwa, weil es uns am nötigen Ernst mangelte, sondern weil bei den Proben viel Situationskomik entstand, was wir einfach auskosteten. Es ging obendrein jedoch sehr engagiert zur Sache. Vielleicht waren wir sogar in dem Bewusstsein darüber, dass die Autorin kommt, noch ein Stückchen mehr beflügelt und angetrieben, um unser Bestes zu geben.

So flog die Probenzeit mal wieder dahin und schon füllten sich am Abend der Premiere die Zuschauerreihen.

Und? Ja, sie war wirklich gekommen, vielmehr im wahrsten Sinne geflogen. Mit dem Flieger war sie bereits morgens aus Wien in Hamburg eingetroffen. Jetzt saß sie also im Theatersaal und fieberte, ebenso wie wir, dem Beginn der Vorstellung entgegen.

Am Schluss der Premiere standen wir alle glücklich vor unserem applaudierenden Publikum und mitten unter uns stand die Autorin des Stückes und ich fand es toll, dass sie abschließend noch einige Worte an unsere Zuschauer richtete.

In der anschließenden Premierenfeier hatten wir dann endlich die Gelegenheit, uns näher kennen zu lernen, was alle von uns rege nutzten.

Es wurden sehr herzliche und offene Gespräche geführt, die für alle spannend und interessant waren. Und zum Thema "Angst vor der Autorin" stimmten wir völlig überein. Sie könnte nur dazu ermuntern, den Dialog mit der Autorin (oder dem Autor) zu suchen und es sollte absolut keinen Anlass für eine Scheu oder Angst geben, denn schließlich verfolgen wir doch ein gemeinsames Ziel, nämlich ein Theaterstück erfolgreich auf die Bühne zu bringen.

Es war wirklich ein großartiger und ganz besonderer Abend mit "Erika" Kainberger-Kabeller.

Axel Grabbe 


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